So. Nun wären also zehn elftel meiner Zeit in Ghana geschafft. Wenn ich zurück schaue, fällt mir vor allem eins auf: Das ich immer noch nicht ganz glauben kann, dass das alles wirklich passiert ist. Ich weiß aber auf jeden fall, dass ich unglaublich dankbar bin, diese Chance bekommen zu haben, ich würde mein Jahr gegen nichts eintauschen wollen.
Die letzten Wochen waren toll, ziemlich verrückt und vollgestopft. Seit meinen Osterferien schon, also vor zwei bis drei Monaten, passiert alles unter dieser Abschieds-letztes-Mal-Stimmung. Man reist nochmal zu seinen Lieblingsorten, man bereitet ein letztes Mal Examen für die Schule vor - nicht das mir ausgerechnet das unbedingt fehlen wird - man stellt Listen auf was noch alles zu erledigen ist und macht Pläne wie man all sein neues Gepäck bestmöglich nach Deutschland bekommt.
Ich hatte noch einmal Besuch, von einer Freundin aus Frankfurt, dass war super schön, aber auch nicht gerade Alltag. Jetzt liegt noch eine gute Woche Projekt Arbeit vor mir und dann heißt es reisen, Abschied nehmen und sich irgendwie (wie das gehen soll weiß ich noch nicht) auf Deutschland vorzubereiten.
Ich kann nicht sagen mein Jahr in Ghana war so oder so. Ich weiß nicht wie ich in einem Text erklären könnte, wie es mir mit dem Gedanken an den Abschied geht. Vielleicht so, es ist nicht unbedingt das Land Ghana was mir so unglaublich fehlen wird, sondern eher das Leben, das ich hier führe. Immer wieder neue Erfahrungen zu sammeln, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen, neue Orte zu entdecken. Dann die Freunde die ich hier habe, natürlich wird man sich wieder sehen, vielleicht bleibe ich auch mit manchen ein Leben lang in Kontakt, aber man wird nie wieder elf Monate lang eine solche Extremsituation teilen.
Ghana und die Menschen hier sind ein Zuhause für mich geworden. Ich dachte letzten August, ja klar, man kann sich an alles gewöhnen, aber ich hatte nicht erwartet mich so sehr als Teil dieser Gesellschaft zu fühlen.
Ein fremdes Land kann also ein Zuhause werden. Und bestimmt werde ich eines Tages zurück kehren um dieses zweite Zuhause zu besuchen, aber es wird nicht mehr das Selbe sein, meine Zeit hier bekomme ich nicht zurück.
Dienstag, 14. Juli 2015
Mittwoch, 29. April 2015
Faul sein ist wunderschön, denn die Arbeit hat noch Zeit...
Drei Wochen Urlaub. Drei Wochen völlige
Freiheit und ein riesiger Haufen neuer Erlebnisse.
Woche Nummer 1:
Ich habe zwei Tage mit Ole und dessen
Familie an der Voltamündung verbracht. Dieser Ort ist einfach
unglaublich. Da wohnt man an einem wunderschönen See mit
spiegelglattem glasklaren Wasser in Bambushütten am Strand und wenn
man einmal die Dünen hinter sich überquert hat ist man an der
Atlantikküste. Das ist so verrückt, auf der einen Seite
Badewannenwasser und auf der anderen Seite tobende Wellen, keine 100
Meter von einander entfernt.
Im Anschluss daran habe ich mich
alleine aufgemacht in die Voltaregion, zwei Freunde besuchen die dort
in Wusuta arbeiten und leben. Ich habe eine völlig andere
Ghana-Volunteer-Welt kennen gelernt. Ich, in Swedru mit dreißig
Mitfreiwilligen um mich herum, war völlig begeistert von der dort
herrschenden Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich glaube ich hatte seit
Monaten nicht mehr so viel in 48 Stunden geschlafen.
Das Osterwochenende:
Jedes Jahr an Ostern findet mitten in
Ghana ein Paraglyding Festival statt zu welchem Profis aus der ganzen
Welt kommen um begleitete Sprünge anzubieten. Gleichzeitig findet in
der nächsten Bergstadt eine Art riesiges Straßenfest statt, bei
welchem drei Tage lag gefeiert wird und auch namenhafte ghanaische
Künstler auftreten, wie zum Beispiel Shatta Wale. (Der wird jetzt
den wenigstens was sagen, aber ich schwöre in Ghana ist der der Star
schlecht hin!) Da war ich von Freitag bis Sonntag mit vielen von
meinen Lieben und Verrückten, habe gefeiert, mir die Gegend
angeschaut und die Sprünge und die Aussicht bestaunt.
Ein Ostern der etwas anderen Art, aber
wirklich unvergesslich schön.
Woche Nummer 2:
Und dann gingen meine Ferien eigentlich
erst so richtig los!
Ostermontag habe ich mich mit Maria auf
gemacht in Norden. Wir sind über Kumasi nach Tamale gefahren. Das
ist die größte Stadt in der Northern Region. Wir waren völlig
überwältig von der Veränderung. Alles dort ist weiter, flacher,
offener und teilweise wesentlich entspannter. Glücklich gemacht
haben mich irgendwie auch die hunderte von Frauen die auf ihren
Mopeds ganz selbstständig rumgedüst sind.
Von da gings weiter nach Larabanga, ein
kleines Dorf wo wir bei einer muslimischen Familie auf dem Dach
gepennt haben. Dieses dorf befindet sich gute 10 Kilometer vor dem
berühmten Mole Nationalpark wo wir früh morgens hingeradelt (!)
sind um endlich Elefanten zu sehen.
Es war einfach unbeschreiblich! Ich meine wir haben wahrscheinlich alle schon Elefanten gesehen - im Zoo - aber es wird einem erst klar wie beeindruckend sie sind wenn sie in freier Wildbahn plötzlich direkt vor einem stehen. Oder deiner Safari Gruppe plötzlich hinterher rennen, ist auch ne Erfahrung wert!
Nach dem Mole ging es weiter nach Bolgatanga, die nördlichste Stadt Ghanas und von da aus nach Paga das Dorf an der Grenze zu Burkina Faso. Dort haben wir Krokodile gestreichelt, ein Sklavencamp besichtigt und sind mal eben über die Grenze gehüpft um in Burkina ne Sprite zu trinken. Dann am nächsten Tag, haben wir uns in Bolga in einen Bus gesetzt und sind einmal senkrecht durchs ganze Land gefahren. 15 Stunden Fahrt von den nördlichsten Stadt bis nach Accra.
Hier haben Maria und ich uns getrennt, aber ich kann sagen es war eine der schönsten Reisen die ich je unternommen habe.
Meine dritte und letzte Ferienwoche
habe ich dann mit meiner geliebten Tante und meinem Onkelchen aus
Köln verbracht die sie wunderbar waren mich besuchen zu kommen. Ich
habe ihnen Accra gezeigt, dort waren wir auf dem Kunstmarkt, haben
eine Trommelstunde bekommen und waren lecker essen.
Als nächstes sind wir nach Kumasi
gefahren um den größten Markt Westafrikas zu sehen und im schönsten
Guesthouse zu schlafen das Ghana je gesehen hat.
Die letzten Tage unserer gemeinsamen
Ferien haben wir dann in der Escape Three Point Lodge entspannt.
Ich kann nicht sagen, wie schön es war
sie hier zu haben, wie gut es tat mal wieder ein Stück zuhause ganz
nah bei mir zu haben. Mich quält jetzt doch ein wenig Heimweh.
Man sagt das Leben sei ein Buch und wer nicht reise würde nur eine einzige Seite lesen. Ich hab in diesen drei Wochen mal wieder gemerkt wie absolut war das ist.
Freitag, 27. März 2015
Wenn die letzten Tage schön waren, ist das oft ein Zeichen dafür, dass die nächsten Tage noch schöner werden.
Hier also bin ich mal wieder mit ein paar kleinen Erzählungen aus Agona Swedru.
In den letzten zwei Wochen ging es mir ziemlich gut. Bei Frankeve war heute letzter Schultag vor den Osterferien und was bedeutet es wurden nur Examen geschrieben, was wiederum bedeutet Madame Paula hat nichts zu tun.
Und wenn man nichts zu tun hat sollte man es sich auf jeden Fall gut gehen lassen.
Meine Vorfreiwilligen waren den letzten Monat zu Besuch, das war sehr schön. Wir sind viel verreist, haben viel gefeiert und viele Leute getroffen.
Heute hatte ich einen wirklich schönen letzten Schultag. Die Fashion-Students von Frankeve haben ihre Abschluss Arbeiten vorgeführt, es gab also eine kleine Modenschau und danach haben alle, also Lehrer, Schüler, Kinder, Headmaster und Mistresse und auch ich (!) zusammen getanzt. Mir geht das Herz auf wenn ich die Mädchen so ausgelassen und fröhlich erlebe wie an einem Tag wie heute, weil viele von ihnen es echt nicht leicht haben.
Jetzt habe ich also drei Wochen Osterferien! Das heißt drei Wochen lang durch Ghana reisen und einfach hoffen, dass mir nicht irgendwann das Geld ausgeht.
Morgen fahre ich dann los mit dem Ole und seiner Mutter und seiner Schwester, eine kleine Rundreise ist geplant. Dann gehts am Wochenende darauf auf ein Paraglyde-Festival (schreibt man das so?) und im Anschluss reise ich mit der Maria durch den Norden. Und wenn dann das nächste Wochenende da ist, kommen meine Tante und mein Onkel aus Deutschland und darauf freue ich mich wirklich wie verrückt.
Die beiden bleiben zwei Wochen und wenn sie weg sind ist der April schon wieder fast um. Und dann sind es für mich nur noch gute drei Monate in Ghana. Auf einmal rast die Zeit und meine Gefühle schwanken dauernd zwischen, Freude auf zuhause und dem "Ach-du-scheisse-ich-bin-hier-noch-nicht-fertig" Gefühl.
In den letzten zwei Wochen ging es mir ziemlich gut. Bei Frankeve war heute letzter Schultag vor den Osterferien und was bedeutet es wurden nur Examen geschrieben, was wiederum bedeutet Madame Paula hat nichts zu tun.
Und wenn man nichts zu tun hat sollte man es sich auf jeden Fall gut gehen lassen.
Meine Vorfreiwilligen waren den letzten Monat zu Besuch, das war sehr schön. Wir sind viel verreist, haben viel gefeiert und viele Leute getroffen.
Heute hatte ich einen wirklich schönen letzten Schultag. Die Fashion-Students von Frankeve haben ihre Abschluss Arbeiten vorgeführt, es gab also eine kleine Modenschau und danach haben alle, also Lehrer, Schüler, Kinder, Headmaster und Mistresse und auch ich (!) zusammen getanzt. Mir geht das Herz auf wenn ich die Mädchen so ausgelassen und fröhlich erlebe wie an einem Tag wie heute, weil viele von ihnen es echt nicht leicht haben.
Jetzt habe ich also drei Wochen Osterferien! Das heißt drei Wochen lang durch Ghana reisen und einfach hoffen, dass mir nicht irgendwann das Geld ausgeht.
Morgen fahre ich dann los mit dem Ole und seiner Mutter und seiner Schwester, eine kleine Rundreise ist geplant. Dann gehts am Wochenende darauf auf ein Paraglyde-Festival (schreibt man das so?) und im Anschluss reise ich mit der Maria durch den Norden. Und wenn dann das nächste Wochenende da ist, kommen meine Tante und mein Onkel aus Deutschland und darauf freue ich mich wirklich wie verrückt.
Die beiden bleiben zwei Wochen und wenn sie weg sind ist der April schon wieder fast um. Und dann sind es für mich nur noch gute drei Monate in Ghana. Auf einmal rast die Zeit und meine Gefühle schwanken dauernd zwischen, Freude auf zuhause und dem "Ach-du-scheisse-ich-bin-hier-noch-nicht-fertig" Gefühl.
Dienstag, 17. März 2015
So viele Menschen, so viele Orte.
"Let's go to the beach, let's get a wave." Mit Ole im Trotro sitzen und Elektro hören. Wenn das keine Tradition ist, dann weiß ich es auch nicht.
Mit Faye über den Dächern von Takoradi. So ein wunderbares Wochenende hatte ich schon lange nicht mehr.
Mit Faye über den Dächern von Takoradi. So ein wunderbares Wochenende hatte ich schon lange nicht mehr.
Nelly, Professional 1, bei FrankEves Sportsday. Das Mädel hat vielleicht ne Stimme: "Ey Madame!"
Mal wieder irgendwo unterwegs. Ich glaube auf dem Rückweg von Cape Coast. Bild aus dem Tro raus.
"Take a look, take a look at the kids on the streets no they never miss a beat."
Cape Three Points. Der schönste Ort an dem ich in Ghana bis jetzt war. "There are place where everything is better and everything is safe."
Accra Road, on my way to Cape Coast. Aus dem Busfenster heraus.
Mittwoch, 4. Februar 2015
Hallo hallo, ja ich lebe noch.
Es tut mir leid. Es tut
mir ganz ehrlich leid. Meine Motivation regelmäßig zu bloggen ist
komplett im Keller. Ich könnte das jetzt wieder auf den unglaublich
schlechten Internet Zugang schieben, aber Tatsache ist, ich hab viel
zu lange nichts geschrieben.
Also fange ich vielleicht
mal damit an, zu verschiedenen Themen kleine Updates zu liefern.
Mein Projekt:
Das ist so ne Sache. Ich
weiß wir wurden hundertmal vorgewarnt, dass man als unausgebildeter
Freiwilliger in einer fremden Kultur nicht wirklich etwas bewegen
kann. Das man sich anpassen sollte und es eher als Bereicherung für
einen selber ansehen sollte.
Das ich praktisch nichts
bewegen kann, habe ich kapiert. Aber leider fördert das nicht gerade
meine Motivation etwas zu bewegen. Natürlich, ich liebe die Mädchen
an meiner Schule, ich arbeite gerne mit ihnen und wenn sie Erfolge
erleben bin ich stolz. Doch es ist so, dass mich mein Projekt zur
Zeit nicht gerade mit Freunde erfüllt. Ich bin unzufrieden mit
einigen Dingen, wie zum Beispiel der Organisation und Handhabung von
Formalitäten und Regelungen. Kleine Anekdote dazu: Vor den
Winterferien habe ich einige Tage in der Schule gefehlt, da ich eine
Bindehautentzündung hatte. Zur gleichen Zeit wurden Examen
geschrieben, auch Klassen von mir für welche ich Klausuren
vorbereitet hatte (was nebenbei echt Arbeit war) . Da ich das wusste
habe ich extra meine Klausuren dem Schulleiter vorbei gebracht, damit
er sie für mich austeilt.
Als ich, gesund und wieder
in der Schule, nach meinen Klausuren gefragt habe, konnte der gute
Mann sich an nichts erinnern und auf meine Erklärung hin konnte er
mir aber auch nicht helfen, da er meine Arbeiten nicht mehr gefunden
hat. Na toll.
Meine Gastfamilie:
Seit die Ferien um sind,
sind Monica (Hostmummy) und ich wieder alleine zuhause, da Anna
zurück auf dem Internat ist. Und zwischen uns läuft es unverändert
gut. Ich war mit ihr auf meiner ersten Beerdigung, welche zwar
unglaublich langweilig war aber in einem Festmahl und Besäufnis
endete, meine erste Verlobungsparty habe ich auch besucht und erst
gestern war ich auch einer „Geburtstagsmesse“ (um sechs Uhr
morgens!). Je mehr Zeit verstreicht, desto dankbarer bin ich, dass
ich ein ghanaisches Zuhause habe in dem ich mich wirklich wohl fühle.
Was bleibt sonst noch zu
erzählen? Ach ja meine Freunde...
Eine
kleine feste Clique sind wir eigentlich schon geworden. Denen habe
ich zu verdanken, dass ich in bestimmten Situation erst mal
nachdenke, anstatt gleich alles zu verteufeln. Und natürlich habe
ich ihnen zu verdanken, dass ich immer wieder wunderbare, verrückte
Wochenenden erlebe.
Das
ist so ein Luxus, dieses mit wenig Gepäck und wenig Geld, in das
nächste Tro zu steigen und für ein paar Nächte auszubrechen. Das
werde ich echt total vermissen.
Also,
ich muss sagen, wenn ich noch vor einem Monat alles mega, affen,
obergeil fand und es zu 100% genossen habe, dann hat das doch schon
ein klein wenig nach gelassen. Man könnte vielleicht sagen, dass ich
ein kleines Halbzeittief habe. Oder besser gesagt hatte, denn ich
spüre wie es wieder bergauf geht. Ich war auch krank, dass kam dazu,
mein Projekt macht mich nicht so glücklich und meine Familie (die
über Weihnachten da war) war wieder abgereist.
Aber
ich glaube das Gröbste habe ich überwunden und außerdem liegen ein
paar richtig coole Sachen vor mir.
Dieses
Wochenende fahre ich mit meiner lieben Sarah und meiner lieben Maria
nach Accra und wir machen uns ein schönes „Mädelswochenende“.
Die Woche drauf fahre ich schon mit meiner wunderbaren Susanna auf
ein Zwischenseminar nach Kumasi. Das geht eine Woche lang und wir
lernen nochmal ganz neue Leute kennen, auch aus Togo, Nigeria und
Burkina Faso, dass wird bestimmt spannend. Am 25. Februar dann kommt
meine Vorfreiwillige aus Deutschland für einen Monat nach Ghana.
Ende März bekomme ich schon wieder Osterferien und dann kommen im
April meine Tante und mein Onkel!
Also
Tief hin oder her, beschweren kann ich mich nicht.
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