Mittwoch, 12. November 2014

Mir fehlen die Worte, ich hab die Worte nicht

Ich hab so viel erlebt:

Ich habe den Regenwald gesehen und im Baumhaus geschlafen, habe Schildkröten gestreichelt und wurde noch Ameisen angegriffen, ich habe Class tests schreiben lassen und Freundschaft mit ein paar meiner Schülerinnen geschlossen, ich habe zu viel gegessen und vielleicht auch ab und zu zu viel getrunken, ich bin im Meer geschwommen und in Osu tanzen  gewesen, ich habe einen verrückten Höllander mit seinen Affen besucht und habe mir seine absurden Geschichten angehört, ich habe mein erstes afrikanisches Kleid bekommen und meine Hostmum hat mir ein passendes Kopftuch gebunden, ich habe einen Freund ins Krankenhaus begleitet und einen habe ich alleine gehen lassen, ich habe ein paarmal selbst gewaschen aber noch nie selbst gekocht, ich habe mich gut mit dem dreizehnjährigen Paul verstanden und er hat mir ein paar ghanaische Klatschspiele beigebracht, ich
habe mein Bett vermisst und ich habe Stromausfälle verflucht, ich habe zwei paar Flipsflops zerstört und hab dafür neue Sandalen gekauft, ich war shoppen auf dem Markt und ich war shoppen in der Mall, ich habe Eggbread am Straßenrand und Macaroni bei Shoprite gegessen, ich habe viel gesungen und ich habe viel gelacht, ich habe ernste Gespräche geführt und ich habe Gespräche geführt die gar keinen Sinn gemacht haben, ich habe so viele Leute kennen gelernt und noch mehr Leute wollten mich kennen lernen, ich habe ein paar Heiratsanträge bekommen und ein paar mal wurde ich gefragt ob ich irgendjemandes zweite Frau werden wolle,ich habe in der Hängematte gelegen und ich habe mir ein paar Sonnenbrände geholt, ich bin tierisch braun geworden und meine Haare müssten langsam mal wieder geschnitten werden, ich habe alle meine Bücher gelesen und schon fast alle meine Filme geschaut,
Ich bin manchmal traurig aber die meiste Zeit einfach unglaublich glücklich.


Montag, 27. Oktober 2014

Das Ende von Tagebuch Nr.1

Da bin ich also endlich mal wieder.
Fast zwei Monate bin ich nun hier oder eben seit einem ganzen Tagebuch. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe in diesen zwei Monaten mehr Tagebuch geschrieben, als in den drei Jahren davor.
Das Leben ist schön. Soviel steht schonmal fest. Natürlich läuft nicht alles perfekt und ich muss auch sagen, dass mein Projekt im Moment doch anstrengend sein kann, aber meine Grundeinstellung bleibt die: Ich bin glücklich. Mir gefällt das Land, mir gefallen die Leute (also meistens) und jedes Wochenende gibt es etwas neues zu entdecken.
Ich kann leider garnicht viel erzählen, weil meine Zeit im Internetcafé in vier Minuten abläuft, also bis bald wieder, ich wollte nur mal klarstellen, dass es mir mehr als gut geht!


Donnerstag, 2. Oktober 2014

Ohne Strom und ohne Kohle in den Taschen und trotzdem gut drauf

Es ist Oktober. Es kommt mir einerseits so vor als wäre mein Abschied von Deutschland gestern gewesen und andererseits als würde ich schon immer dieses Leben führen. Diese beiden Gefühle wechseln sich in einer solchen Geschwindigkeit ab, dass ich jedem, der mich fragt ob ich schon in Ghana angekommen bin, keine vernünftige Antwort geben kann.

Ich möchte zum Anfang gerne etwas zu meiner Verteidigung sagen. Ich weiß, dass ich hier viel zu selten von mir hören lasse, aber das hat auch einen guten Grund. Nicht nur mein Internet ist nämlich Glücksache, sondern mein Strom in den letzten Tagen auch. Irgendwo bei Winneba (Nachbarort, mit einem Traumstrand so ganz nebenbei bemerkt) hat das Elektrizitätswerk gebrannt und seitdem habe ich nur für ein paar Stunden am Tag Strom. Es ist also für mich immer wieder ein Fest, wenn ich gerade mal wieder mein Handy laden, oder, oh Wunder, einen Blogeintrag verfassen kann.
Soviel dazu.

Seit dem Anfang dieser Woche ist mit dem neuen Stundenplan, auch in meinem Projekt endlich so etwas wie Routine entstanden. Ich kann also nun mit vollem Recht behaupten, dass ich in meinem ghanaischen Alltagsleben angekommen bin (was den Rest angeht...)
Also mein Alltag. Jeden Morgen wache ich von selbst (!) gegen sechs Uhr auf. Mir bleibt auch garkeine andere Wahl, weil um diese Uhrzeit der erste Hahn anfängt zu krähen und das erste Nachbarkind anfängt zu schreien. Ich stehe also um sechs Uhr auf, benutze meine geliebte Eimerdusche - sie ist mir sogar wirklich schon ans Herz gewachsen und das ist jetzt keine Ironie - ziehe mich schulangemessen an und esse das Frühstück, dass Monica meine fürsorgliche Gastmutter, bereits hingestellt hat. Mal gibt es Sandwich mit Omlett, mal Papaya und frisch gepressten Orangensaft und manchmal auch einfach ein Marmeladenbrot.
Danach packe ich schnell meine Tasche und mache mich auf den fünf Minuten Fußweg zu meiner Schule Frankeve. Dort unterichte ich über den Tag (von sieben bis drei) verteilt zwei, drei oder manchmal auch vier Doppelstunden Mathe, Englisch und ein Fach das sich Food&Beverage Service nennt.
Wer das jetzt liest und sich sorgt um die Mädchen, welche von mir in Mathe unterrichtet werden, den kann ich beruhigen. Für das Niveau reichen sogar meine Fähigkeiten. Das Unterrichten läuft ziemlich gut, jedoch sehr abhängig davon, um welche Klasse es sich handelt und wie viele Schülerinnen gerade anwesend sind. Weniger Schülerinnen, bedeutet weniger Arbeit.
Um drei Uhr verlasse ich die Schule wieder und gehe wieder zurück in  mein neues Zuhause. Dort ziehe ich mich meistens erstmal um und dann geht es auch schon weiter. Es ist bis jetzt wirklich erst ein einziges Mal vorgekommen, dass ich nachmittags nicht noch in die Stadt bin. Und da hat es sechs Stunden lang wie aus Eimern geschüttet.
Heißt, ich bin nachmittags immer im wilden Stadtleben von Agona Swedru unterwegs. Und wild ist es tatsächlich, vorallem Montags und Donnerstags, wenn Markttag ist.
Die Zeit vertreiben die anderen Freiwilligen und ich uns mit Bummeln, Essen (sehr viel Essen!), auf unserer Lieblingsrooftopbar chillen und hin und wieder führen wir auch mal ein ziemlich bedeutendes Gespräch.
Immer um halb sieben, denn da wird es schon dunkel, mache ich mich wieder auf den Nachhause weg. Steige in mein Taxi (kostet mich pro Fahrt 25 cent) und bin dann nach einer viertel Stunde angekommen. Dann bekomm ich meistens noch was kleines zu essen, zum Beispiel eine unglaublich leckere Orange, schaue mit meiner Hostmommy ihre Lieblingsserie im Fernsehen (Smallville by the way) und gehe dann nochmal Eimerduschen.
Zum Einschlafen hören ich immer Musik, aber nicht sehr lange, weil ich noch nie zuvor so gut eingeschlafen bin, wie seit ich in Ghana bin.
Da ich also immer schon so gegen neun schlafe, ist das frühe Aufstehen garkein Problem mehr.

Apropos, für mich wirds langsam Zeit, mein Eimer ruft!


Das ist mein Blick, jeden Abend, kurz bevor ich zuhause ankomme.

Dienstag, 16. September 2014

Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Kusum Beach, Accra. Nur eine Minute zu Fuß vom ARA-Haus entfernt.

 Das Kind hätten wir fast eingesteckt. Dann hat es die Mutter aber doch noch schnell aus dem Trotro gezogen.
Auf der Dachterasse sitzend, auf Swedru runterschauen.

Samstag, 13. September 2014

There is no hurry in life.

Ich weiß, ich weiß, ich habe viel zu lange auf mich warten lassen. Fakt ist jedoch: Internet ist für mich eher eine Fügung des Schicksals als etwas, das ich beeinflussen kann.

Fünf Tage Seminar in Accra und sechs Tage bei meiner Hostfamily in Agona Swedru liegen bereits hinter mir.
Die Zeit im Ara-Haus in Accra waren der reine Wahnsinn. Eher so wie Ferien im Paradies, als Arbeit. Was natürlich nicht gerade bei dem Prozess geholfen hat zu realisieren, dass gerade ein neuer Lebensabschnitt beginnt, und dass man nun tatsächlich in Ghana angekommen ist.
So viel dazu.

Ob ich inzwischen realisiert habe, dass ich angekommen bin? Nach fast einer Woche in meinem neuem Wohnort? Definitiv nein. Dafür ist alles noch viel zu neu und unglaublich.

Zu meinem Wohnort: Agona Swedru ist ein Städtchen von ungefähr 50.000 Einbewohner. Hinzu kommen mehrere am Rand liegende Siedlungen. In einer dieser Siedlungen wohne ich. Fragt mich nicht wie sie heißt, ich kann es nicht aussprechen, geschweige denn schreiben.
Meine Gastfamilie besteht aus einer Gastmutter, Monica, und einer elfjährigen Gastschwester, Anna. Beides sehr herzliche und offene Menschen, die sich die größte Mühe geben mir ein Gefühl von einem Zuhause zu geben.

Meine Arbeit im Projekt beginnt am Montag und ihr wollt gar nicht wissen wie nervös ich bin …

Ich melde mich bald wieder und dann zu spezifischen Themen hoffentlich ausführlicher!

Die nehme ich auf jeden Fall mit!

Sonntag, 31. August 2014

I've got my ticket for the long way 'round.

In genau 28 Stunden sitze ich im Flieger nach Ghana. (Also eigentlich nach Dubai, um dort umzusteigen, aber das tut hier nichts zur Sache) Mein Koffer ist gepackt, mein Zimmer aufgeräumt, alles was gesagt werden muss, ist gesagt.
Nur ich bin irgendwie noch nicht bereit. Und irgendwie auch schon.
Ich habe so lange darüber geredet, so oft in den letzten Wochen und Monaten erzählt was ich vorhabe, dass ich es schon nicht mehr hören kann.
Ich will endlich los, ich will endlich dieses neue Leben leben und gleichzeitig ist es so schwer los zulassen.
Aber wie Pippi Langstrumpf schon sagte: "Wer nicht weggeht, der kann auch nicht wiederkommen."
Ich bin also jetzt weg, aber irgendwann bin ich ja auch wieder da. Das hier ist also kein Abschied für für immer.

Side by side or miles apart, sisters will always be connected by heart.

P.S.: Vielen Dank an alle die mich unterstützt haben und mir damit diese Reise ermöglicht haben. Mein Spendenkonto ist nun randvoll, wer aber gerne noch etwas gutes tun möchte, kann gerne die Schule an die ich gehe direkt unterstützen:
 http://www.frankeve.org/supportus.html


Donnerstag, 7. August 2014

It's me, Paula!

Nun steht man also vor dem größten Abenteuer seines Lebens, möchte gerne der ganzen Welt davon berichten und weiß plötzlich garnicht wo man anfangen soll.
Ich gehe nach Ghana.
Aber so leicht wie sich das schreibt, ist es garnicht. Irgendwo ankommen, heißt nämlich immer auch irgendwo weg gehen. Einen Ort verlassen, Menschen verlassen. Doch davon soll dieser Blog nicht handeln. Er soll vom Ankommen berichten. Er soll berichten wie ich, als neunzehnjährige deutsche Abiturientin, die meistens viel erwachsener tut als sie eigentlich ist, in einem völlig fremden Land, einer völlig fremden Kultur, ankommt. 
Ob ich dafür schon bereit bin? Wer weiß, ich werde jedenfalls mein Bestes geben.

"From the moment I could talk, I knew this heart of mine was born to travel."