Ich möchte zum Anfang gerne etwas zu meiner Verteidigung sagen. Ich weiß, dass ich hier viel zu selten von mir hören lasse, aber das hat auch einen guten Grund. Nicht nur mein Internet ist nämlich Glücksache, sondern mein Strom in den letzten Tagen auch. Irgendwo bei Winneba (Nachbarort, mit einem Traumstrand so ganz nebenbei bemerkt) hat das Elektrizitätswerk gebrannt und seitdem habe ich nur für ein paar Stunden am Tag Strom. Es ist also für mich immer wieder ein Fest, wenn ich gerade mal wieder mein Handy laden, oder, oh Wunder, einen Blogeintrag verfassen kann.
Soviel dazu.
Seit dem Anfang dieser Woche ist mit dem neuen Stundenplan, auch in meinem Projekt endlich so etwas wie Routine entstanden. Ich kann also nun mit vollem Recht behaupten, dass ich in meinem ghanaischen Alltagsleben angekommen bin (was den Rest angeht...)
Also mein Alltag. Jeden Morgen wache ich von selbst (!) gegen sechs Uhr auf. Mir bleibt auch garkeine andere Wahl, weil um diese Uhrzeit der erste Hahn anfängt zu krähen und das erste Nachbarkind anfängt zu schreien. Ich stehe also um sechs Uhr auf, benutze meine geliebte Eimerdusche - sie ist mir sogar wirklich schon ans Herz gewachsen und das ist jetzt keine Ironie - ziehe mich schulangemessen an und esse das Frühstück, dass Monica meine fürsorgliche Gastmutter, bereits hingestellt hat. Mal gibt es Sandwich mit Omlett, mal Papaya und frisch gepressten Orangensaft und manchmal auch einfach ein Marmeladenbrot.
Danach packe ich schnell meine Tasche und mache mich auf den fünf Minuten Fußweg zu meiner Schule Frankeve. Dort unterichte ich über den Tag (von sieben bis drei) verteilt zwei, drei oder manchmal auch vier Doppelstunden Mathe, Englisch und ein Fach das sich Food&Beverage Service nennt.
Wer das jetzt liest und sich sorgt um die Mädchen, welche von mir in Mathe unterrichtet werden, den kann ich beruhigen. Für das Niveau reichen sogar meine Fähigkeiten. Das Unterrichten läuft ziemlich gut, jedoch sehr abhängig davon, um welche Klasse es sich handelt und wie viele Schülerinnen gerade anwesend sind. Weniger Schülerinnen, bedeutet weniger Arbeit.
Um drei Uhr verlasse ich die Schule wieder und gehe wieder zurück in mein neues Zuhause. Dort ziehe ich mich meistens erstmal um und dann geht es auch schon weiter. Es ist bis jetzt wirklich erst ein einziges Mal vorgekommen, dass ich nachmittags nicht noch in die Stadt bin. Und da hat es sechs Stunden lang wie aus Eimern geschüttet.
Heißt, ich bin nachmittags immer im wilden Stadtleben von Agona Swedru unterwegs. Und wild ist es tatsächlich, vorallem Montags und Donnerstags, wenn Markttag ist.
Die Zeit vertreiben die anderen Freiwilligen und ich uns mit Bummeln, Essen (sehr viel Essen!), auf unserer Lieblingsrooftopbar chillen und hin und wieder führen wir auch mal ein ziemlich bedeutendes Gespräch.
Immer um halb sieben, denn da wird es schon dunkel, mache ich mich wieder auf den Nachhause weg. Steige in mein Taxi (kostet mich pro Fahrt 25 cent) und bin dann nach einer viertel Stunde angekommen. Dann bekomm ich meistens noch was kleines zu essen, zum Beispiel eine unglaublich leckere Orange, schaue mit meiner Hostmommy ihre Lieblingsserie im Fernsehen (Smallville by the way) und gehe dann nochmal Eimerduschen.
Zum Einschlafen hören ich immer Musik, aber nicht sehr lange, weil ich noch nie zuvor so gut eingeschlafen bin, wie seit ich in Ghana bin.
Da ich also immer schon so gegen neun schlafe, ist das frühe Aufstehen garkein Problem mehr.
Apropos, für mich wirds langsam Zeit, mein Eimer ruft!
Das ist mein Blick, jeden Abend, kurz bevor ich zuhause ankomme.
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